Von Kiew bis nach Hause – Ein tolles Jahr geht zu Ende

Als wir in die Ukraine eingereist sind hat es den ganzen Tag immer wieder geregnet, kaum waren wir aber über die Grenze hat es aufgehört und wir konnten noch einen schönen Sonnenuntergang bewundern. Neben der Straße hat noch eine Herde von vier Mähdreschern geschlafen und der Hirte hat uns diese sanften Giganten gerne gezeigt und wir durften auch hoch klettern. Kurz darauf haben wir uns dann auch auf einen Feldweg gestellt und übernachtet. Dieser Teil der Ukraine ist nur sehr spärlich bevölkert und, zu unserer großen Überraschung, gab es keine 20km von Russland zwar noch russisches Netz, aber keine russischen Moskitos mehr, ein Segen! Auf unserem Weg nach Kiew fahren wir wieder an riesigen Feldern entlang und sehen immer wieder Gruppen von 4-8 Mähdreschern auf den Feldern, manchmal  schlafend, manchmal grasend. Als wir zwischen zwei Sonnenblumenfeldern übernachten kommt abends noch ein Pferdewagen voll Heu vorbei, der aus dem Dunkel auftaucht, nach Feuer für eine Zigarette fragt, und wieder vom Dunkel verschluckt wird. Am nächsten Tag geht es nach Kiew weiter. Wir parken in den Stadt und besuchen das Tschernobyl Museum, das sehr interessant war. Danach gehen wir noch etwas essen und merken, dass es hier in der Ukraine wieder fast keinen Sinn macht, selber zu Kochen. Keine 10€ für drei Personen. Danach wollen wir nur noch bis zum Campingplatz fahren, den es geben soll. Es endet aber damit, dass wir 2h durch die Stadt Eiern und am Ende etwas Außerhalb auf einem LKW Parkplatz stehen, der aber immerhin im Grünen und etwas abseits der Straße liegt. Wir klären mit dem Wächter noch, dass er uns am nächsten Morgen ein Taxi bestellt, da wir einen Tagesausflug nach Tschernobyl gebucht haben.

Morgens um 8 Uhr geht es mit dem Bus los. Die Gruppe besteht aus etwa 40 Personen mit zwei Führern. Auf der Fahrt werden wir über die Regeln in der Sperrzone aufgeklärt und bekommen noch ein paar Infos, die wir dank unserem Museumsbesuch am Vortag aber größtenteils bereits wissen. Wir haben auch einen Geigerzähler dabei, der uns die Aktuellen Strahlenwerte anzeigt. Am Eingang der 30Km Zone um den Reaktor ist ein Militärposten, der alle Besucher kontrolliert. Danach geht es weiter zu einem verlassenen Dorf, das wir uns ansehen dürfen und dann nach Tschernobyl. Die Stadt ist heute noch Bewohnt, von all denen, die noch im Kernkraftwerk arbeiten oder als Sicherheitskräfte auf dem Areal arbeiten. Hier wohnen ständig über 300 Menschen. Der Reaktor ist von hier noch gute 15km entfernt, die Stadt, die man von den Bildern kennt heißt Pripjat und galt als vorzeige kommunistische Stadt. Hier waren die Supermärkte immer voll, da hier auch immer wieder Ausländer und Einwohner der Sowjetunion Urlaub bzw. Ausflüge hin machen durften. Doch bevor wir nach Pripjat kommen gibt es noch Essen in der Mensa der Kernkraftwerkangestellten. Danach geht es dann in die vermutlich bekannteste Stadt der Ukraine, die mittlerweile von der Natur zurückerobert wurde. Danach ging es dann wieder aus der Sicherheitszone raus und der Geiger Zähler hat eine Strahlenbelastung angezeigt, die wir den Tag über aufgenommen haben, die der Dosis entspricht, der man ausgesetzt ist, bei einer Stunde eines Trans Atlantik Fluges. In Kiew ging es dann mit dem Taxi zurück zum LKW. Der Fahrer hat uns erzählt, dass er schon mal in Deutschland war, das aber zu „schwarz-weiß“ für ihn ist. In der Ukraine habe er zwar weniger Geld, dafür sei alles „Bunter“, das Leben habe mehr Facetten. Diese Ansicht fanden wir auch echt interessant. Zum Abschluss gehen wir noch etwas in der Nähe des LKW essen und schließen den anstrengenden Tag ab.

Vor ein paar Tagen hat Levin, Jonas Bruder, Kontakt mit Lukas und mir aufgenommen. Er will seinen Bruder überraschen und uns entgegen trampen und tatsächlich, nach nur drei Tagen schafft er es von Deutschland bis in die Ukraine, per Anhalter! Es ist zwar spät aber das macht die Überraschung für Jonas noch größer, der schon ins Bett wollte. Seine Reaktion ist ein ehrliches „Ääääääääähhhhhhh, neeeeeee“ aber die Freude ist groß.  Die nächsten Tage verbringen wir, gemeinsam mit Levin, am Stausee nördlich von Kiew, bei gutem Wetter und entspannen ein bisschen.

Nach den schönen Tagen machen wir und wieder auf nach Kiew, dort besuchen wir das Luftfahrtmuseum mit sehr vielen interessanten Exponaten und schlendern im Anschluss noch durch die Innenstadt, die uns allen gut gefällt.

Es geht weiter nach Lwiw (Lemberg), unser letzter Stopp in der Ukraine. Wir wollten eigentlich nochmal einkaufen und unser restliches Ukrainisches Geld loswerden, finden aber keinen Supermarkt mehr, dafür geht uns wieder die Tachowelle kaputt. Die provisorische Reparatur hat immerhin seit Kazachstan gehalten.

Es steht der letzte richtige Grenzübergang der Reise an, zurück in die EU. Doch es gibt zwei Überraschungen: Es gibt freeWiFi an der Ukrainischen grenze und wir dürfen nur 1l Spirituosen/Kopf nach Polen einführen. Die Ukrainischen Grenzbehörden winken uns relativ flott durch und wir stehen vor den Toren der EU. Wir sind mal wieder froh, dass wir kein LKW sind, die Schlange ist kilometerlang. Jetzt fängt die Odyssee doch an. Wir werden von der PKW-Spur zu den LKW verwiesen, warten bis wir an der Reihe sind und müssen wieder zurück, weil wir nicht gewogen wurden. Nach der dritten Ehrenrunde können wir endlich weiter…bis zum Röntgen. Den Alkohol haben wir zuvor aber in die Wassertanks gelegt, da dort bisher noch nie jemand nachgesehen hat. Das müsste beim Röntgen eigentlich auffallen. Wir haben aber riesen Glück und die Beamtin scheint gut drauf zu sein. Keine Beanstandungen, jetzt noch die Mautbox kaufen und wir sind in Polen! Die Polnische Seite hat insgesamt 4 1/2h gedauert und viele Nerven gekostet.

Zwei Tage später fahren wir in Kattowitz auf einen Campingplatz. Hier haben wir uns mit Bert und Catharina verabredet. Mit den beiden haben wir auch gemeinsam Weihnachten in Goa gefeiert und wir freuen und alle RIESIG sie wieder zu sehen. Die kommenden Tage haben wir eine tolle zeit mit den beiden und wir finden alle, dass es ein toller Abschluss unserer einjährigen Reise ist (Bert und Catharina sind auch ein Jahr unterwegs). Als wir uns voneinander verabschieden schenken uns die Beiden noch einen Käseschneider von Fiskars, als kleines Andenken. Die Edelstahstrohhalme, die Sie von uns bekommen haben sind auch oft im Einsatz.

Kurz bevor wir abfahren kommt noch Marius an, ein Freund von uns, der uns auf seinem Motorrad entgegen gekommen ist. Jetzt haben wir doch nochmal viel Besuch bekommen und wir haben uns über jeden gefreut. Wir fahren noch weiter nach Auschwitz, das nur 20km entfernt lag und sind beeindruckt und entsetzt von der schieren Größe des Lagers. Nachmittags kommen wir an einem See bei Gliwice an und genießen noch das Wetter.

Nach 364 Tagen reisen wir wieder nach Deutschland ein, ganz seltsam so ganz ohne Kontrolle und Fahren an einen Baggersee bei Görlitz. Am nächsten Morgen die Überraschung: Helmut, der Bruder meines Opas, hat auf dem Tracking gesehen, dass wir in der Nähe sind und begrüßt uns zurück in Deutschland. Ich freue mich riesig! Auf der weiteren Fahrt geht der Motor auf der Autobahn, bergauf aus, weil er kein Gas mehr annimmt. Es scheint fast so, als wollte unser treues Reisemobil noch nicht Heim. Wir aber! Wir Reparieren es so, dass wir von der Straße kommen und machen es dann ordentlich, damit wir es heim schaffen. Heute ist die Letzte Nacht der Reise und es fühlt sich noch seltsam an, dass es jetzt vorbei ist.

Kurz bevor wir ankommen fahren wir noch bei Pforzheim-Ost raus und essen noch ein Eis. Zuhause warten zwar alle auf uns, aber wir haben uns aus irgendeinem Grund vorgenommen genau das zu machen, wenn wir zurückkommen. Bei Walz warten schon alle auf uns und es gibt Kaffee und Kuchen. Die Freude ist groß, bei allen!

Am Wochenende ist dann die Willkommensfeier, damit wir allen unseren Verwandten und Freunden wieder hallo sagen können und von unseren Erlebnissen berichten. Es war eine schöne Feier und alle sind froh uns wieder zu haben.

 

Es war ein Tolles Jahr für Lukas, Jonas und mich. Wir haben unendlich viele Eindrücke erlebt, viel Neues kennengelernt, neue Freunde gefunden und unseren Horizont erweitert. Uns ist nie etwas geklaut worden und Länder mit schlechtem Ruf haben sich als toll erwiesen, wie etwa Pakistan. Auch unser Fahrzeug hat uns nie so richtig im Stich gelassen, sicher war mal das Eine oder Andere kaputt und musste repariert werden, die Teile dafür haben wir aber immer bekommen oder haben sie machen lassen. Bei einem so betagten Fahrzeug bleibt das nicht aus. Die ganze Tour ist aber auch mit einem kleineren Fahrzeug und auch ohne Allrad machbar. So können wir eigentlich nur jedem, der danach fragt, empfehlen sich auf eine solche Reise ein zu lassen. Von unseren Erlebnissen werden wir noch lange zehren können und uns ein Leben lang daran erinnern. Mit diesem Eintrag schließt auch der Reiseblog – vorläufig zumindest – ab. Ich will mich auch noch bei allen bedanken, die unseren Blog gelesen haben und so viel positive Rückmeldung gegeben haben.

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