Zwei umwerfende Wochen Iran

Nach unserem Abstecher zu der Kulturstätte geht es zurück nach Yazd. Wir parken erstmal nahe der Altstadt und stromern Richtung  Amirchagh Magh. Zuvor haben wir  eine Wäscherei gesucht, sind aber nur auf Anzug- und Teppichwäschereien gestoßen. Im Stadtzentrum spricht uns Sajjed an, „Hey Jungs, ich muss kurz 10 Minuten weg, ihr könnt aufs Dach von meinem Hostel, Tee steht auf dem Herd, fühlt euch wie Zuhause!“. Ein absolut glücklicher Zufall, wir können hier unsere Wäsche waschen und auch den LKW direkt vor dem Hostel parken. Direkter kann man in Yazd nicht stehen und die Straße ist nachts auch sehr ruhig. Abends gehen wir in einem alten Hamam auf Sajjeds Empfehlung hin sehr lecker Essen. Wir müssen aber gehen, als der Iranische Mr. Music in Discolautstärke auftritt und ständig „I Love you almany, I love you all“ ins Mikrofon ruft. Als wir zurück zum Wohnmobil kommen steht in den Dreck auf der Beifahrertür „Welcome to Iran“ geschrieben. Wir fühlen uns wirklich sehr willkommen hier! Am nächsten Tag besuchen wir das Wassermuseum und Stromern ein bisschen durch die Stadt. Wir treffen Richard, einen deutschen Rucksacktouristen, der seit einem Jahr unterwegs ist und gehen einen Tee trinken. Kultur macht auch einfach müde und wir hängen lieber den Rest des Tages in der Sonne ab. Abends gehen wir mit Richard und seinen beiden Mitreisenden wieder nach Empfehlung von Sajjed essen. Etwa 7km fahren wir für 2,50€ mit 7Personen inkl. Taxifahrer zum Restaurant. Bevor wir gefahren sind haben wir noch eine Notiz unter dem Scheibenwischer gefunden, von Emad. Er hat unser Auto gesehen, hat sich aber nicht getraut zu klopfen, weil er nicht stören wollte. Wir rufen ihn an und verabreden uns mit ihm nach dem Abendessen. Er ist Anfang 20 und ein sehr angenehmer Zeitgenosse. Er selber hatte mal einen T2-Camper, musste ihn aber leider Verkaufen.

Am nächsten Morgen geht es weiter nach Varzaneh, nicht aber über die Hauptstraße, sondern über eine kleine Nebenstraße (Im Iran kann man auch auf Nebenstraßen 70 Fahren) und wir machen Halt an einer alten Karawanserei. Überhaupt sieht man hier entlang der Straßen immer wieder alte und verfallene Karawansereien die immer ganz nett anzuschauen sind.  Wir basteln uns noch eine Reifenfüllanlage, mit der wir je zwei Reifen gleichzeitig befüllen können. Beim Ausprobieren, sie funktioniert super, geht aber der Motor aus und startet nicht mehr. Nach aufwändigem entlüften der Kraftstoffanlage klappt wieder alles. Um früh in Varzaneh bei unserer Verabredung mit den Offroadern vom letzten Varzanehbesuch zu sein wollen wir um 7Uhr weiter. Unter der Dieselpumpe ist aber etwas Diesel auf dem Boden. Nach 2h rumhantieren merken wir, dass der Filter an der Dieselpumpe nicht sauber sitzt (muss beim Filterwechsel in der Wüste Lut passiert sein) und deshalb undicht ist und Luft zieht. In Varzaneh finden wir unsere Freunde natürlich erstmal nicht, dafür ziehen wir einen Iraner aus dem Sand, der sich mit viel Schwung mit einem Hecktriebler aussichtslos festgefahren hat. Im Gegenzug lädt er uns zum Mittagessen ein (Die Dünen von Varzaneh sind wohl ein Ausflugsziel am Wochenende und alle haben ein Picknick dabei). Wir fahren an die Stelle, an der wir vor 4 Monaten bereits standen und warten darauf, dass unsere Freunde kommen. Während wir warten kommt einer mit einem Toyota Hilux vorbei und wir fahren eine Runde mit. Er fährt ohne Rücksicht auf das Material, hört Scooter auf Anschlag und hebt auch ein mal mit der Vorderachse ab. Kurz danach kommen unsere Freunde. Diese mal aber nicht mit nur einem Fahrzeug, sondern gleich mit vier! Drei davon sind stark Höhergelegte und getunte Nissan Patrol, einer ist ein Toyota Prado. Der Hiluxfahrer fühlt sich unter den „Großen“ Jungs sichtlich unwohl und verabschiedet sich bald. Wir steigen in die Patrols ein und drehen eine große Runde durch den Sandspielplatz. Es macht riesen Spaß und die Jungs fahren auch sehr vernünftig. Danach gibt es Tee und Military Schnorres, einer den wir noch nicht kannten aber einen beeindruckenden Schnurrbart und Uniform trägt, setzt sich auf den Boden und schneidet Obst für alle. Wir haben es auf Anhieb nicht erwartet, Mehdi (sein richtiger Name) ist aber ein sehr netter Typ. Überhaupt sind alle, die wir in den nächsten Tagen kennen lernen, egal wie sie auf den ersten Blick scheinen, sehr nette und gut erzogene Leute. Als sie sich für heute verabschieden wollen kommt noch ein Anruf vom Hilux Fahrer, er hat sich fest gefahren und braucht Hilfe. Die drei Patrols fahren los und kurz darauf kommt Arsalan, der mit dem wir die letzten Monate Kontakt gehalten haben, etwas hektisch wieder, eines der Fahrzeuge hat sich über die Motorhaube überschlagen. Die beiden Insassen werden zügig ins Krankenhaus gebracht, die Bergung des Unfallwagens klappt im Dunkeln aber nicht mehr, das muss bis morgen warten. Am nächsten Tag kommen Arsalan und Mehdi mit ihren Fahrzeugen zur Bergung. Ein Patrol und ein Toyota Land Cruiser. Die Bergung zieht sich, da das Unfallfahrzeug in einer Senke steht. Es klappt dann nur mit beiden Fahrzeugen zusammen. Abends fahren wir dann noch nach Esfahan und können die nächsten Tage in bzw. vor der Offroad-Werkstatt Parken. Wir gehen noch was essen und treffen Majid, der den Wagen vom Verunfallten Majid bei der Bergung gelenkt hat in seinem Süßigkeitenladen. Vorher hat er uns in seine Süßigkeitenfabrik eingeladen. Also doch keine Fabrik? Egal. Wir drehen noch eine Runde durch die Stadt und fahren dann zurück zum LKW. Genug erlebt für einen Tag.

Tags drauf gehen Jonas und ich mit Aras (Arsalan) in die Schaubermeile und Kaufen Ersatz Keilriemen, neues Achsöl, ein Radio und einen Aufkleber für den Kühlschrank. Ohne Farsikenntnisse hätten wir ewig gebraucht. Nur einen neuen Türgriff gab es nicht. Lukas war währenddessen Geld wechseln und zurück in der Garage macht Hasan direkt den Ölwechsel an der Achse. Am ersten Tag die halbe To-Do Liste abgearbeitet. Während wir so am LKW arbeiten ist auch einer da, der Deutsch spricht. Der Plan ist wohl, dass wir abends alle treffen, die mit uns in der Wüste waren, doch vorher geht es zu dem Deutschsprachigen nach Hause. Die Wohnung ist sehr schön und modern eingerichtet aber eins fällt auf, auf den Türen ist noch die Schutzfolie. Generell wird im Iran Schutzfolie nicht abgezogen, ob auf Chromteilen bei Autos, Blechteilen, Jalousien, oder eben Türen, die Folie MUSS scheinbar drauf bleiben. Wir sind auch schon in Autos mitgefahren mit über 100.000km auf deren Sitzen noch die Plastikschonbezüge der Auslieferung waren und darunter noch das Datenblatt! Der Abend mit allen ist sehr lustig gewesen und es sind wirklich alle aus der Offroadclique die wir bisher getroffen haben super Leute.

Mittags tauchen irgendwann Aras und Majid auf, wir gehen jetzt in die Fabrik! Überhaupt haben wir aufgehört Pläne zu machen oder zu fragen was heute passiert. Entweder weiß es niemand oder es ändert sich noch drei Mal. Wir steigen also prinzipiell immer ins Auto und fragen dann nach, wo es hin geht. Die Fabrik hat 300 Mitarbeiter und stell vor allem Gaz, eine Süßigkeit ähnlich Türkischem Honig her, aber noch viele andere Leckereien und, wie man sich das so vorstellt, dürfen wir natürlich alles Probieren. Es gibt noch Mittagessen und wir verabschieden uns wieder, nur um 200m zu einem Unternehmen zu fahren, das Pistazien verarbeitet. Vor allem stehen hier aber auch wieder zwei Offroad Toyota. Jeder der es sich hier irgendwie leisten kann, scheint sowas zu besitzen. Abends sind wir bei Arsalan zuhause und lernen seinen Vater und seine Großeltern kennen, beides sehr angenehme Leute. Wir werden auch zum Essen eingeladen in zwei tagen. Wir schauen uns noch die berühmte Brücke im Zentrum bei Nacht an und machen dann Feierabend.

Aras Sammelt uns ein, dann holen wir Majid und seine Freundin ab und scheinbar gehen wir etwas durch das Stadtzentrum spazieren. In der Werkstatt zurück erzählt uns Majid, dass es vor 7 Monaten auch einen Unfall mit seinem Patrol hatte (ob das wohl am Namen liegt?)  und der Wagen heute Abend wieder Fahrbereit ist. Auch hat er uns in einem Nebensatz für den Abend zu sich nach Hause zum Essen eigeladen. Wir haben schon die Hoffnung Aufgegeben, als Majid um 11Uhr! Abends kommt, seinen Wagen nimmt und wir zu ihm Fahren. Die ganze Familie ist anwesend, mit Cousins und noch Aras und Erfan (auch ein Offroader). Vor dem Essen gibt es immer Obst und Gurken (die Gurken in den Obstschalen haben uns zu Beginn auch etwas irritiert) und man wird mehr oder minder genötigt mindestens zwei Früchte zu essen. Isst man nicht, wird einem eine Frucht kleingeschnitten, man kommt also nicht umhin. Um 12 Uhr gibt es dann ein sehr leckeres Essen und wir werden auch eigeladen über Nacht zu bleiben. Leider haben wir unser Zeug im LKW liegen lassen und lehnen dankend ab. Heute haben wir uns auch Gedanken darüber gemacht, wann wir Esfahan verlassen müssen um nicht in Stress zu geraten, wenn wir noch das Turkmenistan Visa abholen und uns ist jetzt schon klar, dass wir eigentlich noch nicht gehen wollen. Wir könnten noch Wochen hier stehen bleiben. Außerdem haben wir Reza, den Siemenskontakt von Lukas in Teheran angerufen. Wie der Zufall so will fliegt er bald nach Deutschland und nimmt unsere Pässe für das Russlandvisum mit. Über dieser Frage haben wir uns die letzten Wochen immer wieder den Kopf zerbrochen.

Nach unserem Frühstück klopft es an der Tür, zwei Iraner stehen da. Einer von ihnen geht bald nach Deutschland zum Studieren, hat aber noch keinen Wohnheimplatz. Da die Iraner uns bisher so viel geholfen haben, wollen wir ihm auch helfen und suchen nach einer Unterkunft für ihn für ein paar Wochen. Der andere Iraner ist sein großer Bruder, der u.a. 5Jahre in UK Studiert hat. Mit ihm gehen wir einen hier sehr beliebten Granatapfelsaft trinken und er erzählt, dass man während den 21 Monaten Militärdienst umgerechnet 15-20€ im Monat bekommt. Der Wehrdienst für Männer ist Pflicht um einen Reisepass zu erhalten, Frauen müssen hingegen heiraten oder die Erlaubnis vom Vater einholen. In der Werkstatt ist auch immer was los. Hier stehen durchgängig 5-11 Offroad-Fahrzeuge und es wird immer gequatscht und geschraubt, leider sprechen nur wenige Englisch und das, was wir an Farsi gelernt haben, beschränkt sich auf „sehr gut“, „Tschüss“, „Hey Mädchen, komm her“ und „ich liebe dich“. Damit kommen wir also auch nicht sehr weit. Abends Fahren wir mit dem LKW zu Aras Elternhaus, gehen noch groß einkaufen (in den Stan-Ländern wird es eher teurer als günstiger) und sind dann bei Aras Eltern essen. Sein Vater hat das Essen vorbereitet und es ist sehr lecker. Auch gut ist, dass hier nicht mit den Fingern, wie in Pakistan oder Indien gegessen wird, sondern Löffel und Gabel benutz werden. Damit kommen wir besser klar. Aras Eltern sprechen leider auch kein Englisch, sind aber sehr bemüht und lieb. Wir übernachten auch bei ihnen.

Am nächsten Morgen ist Zeit für den Abschied, denn heute fahren wir weiter Richtung Teheran. Erst von Aras Familie, die uns bereits ins Herz geschlossen hat. Dann fahren wir zum Essen etwas außerhalb. Dort treffen wir auch den Unfall Majid. Er hat einen angebrochenen Wirbel, ist aber wieder gut drauf. Wir essen noch Schish Kebab und verabschieden uns dann von Majid (der nicht verunfallte) und Erfan. Es geht weiter zur Werkstatt wo wir uns von den restlichen verabschieden, Aras, Hasan, Majid, Pouya und dem Rest. Einige haben wir zum Tschüss sagen leider nicht mehr gesehen, wir sind uns aber alle sehr sicher, dass wir zurückkommen werden. Wir fahren noch 40km aus Esfahan raus. Wir mussten zwar leider schon gehen, dafür hatten wir eine tolle Zeit und viele neue Freunde gefunden.

Zwei Tage später treffen wir in Teheran ein und Parken 5min von der Turkmenischen Botschaft entfernt. Abends treffen wir uns noch mit Reza, der uns zum Essen einlädt UND unsere Pässe mitnimmt. Einen riesen Dank nochmal wir können nicht genug sagen, welche Last von uns gefallen ist, als wir wussten, wie die Pässe nach Deutschland kommen. Es war ein sehr netter Abend mit ihm und seiner Bekannten Mitra. Am nächsten Morgen geht es direkt zur Botschaft und Mittags haben wir unser Visum. Wir bleiben den Tag noch in der Stadt und wollen am nächsten Morgen weiter Richtung Turkmenistan. Wir fahren zu Badab Soort, Warmen Quellen mit Sinterterrassen. Auf dem Weg dahin kommen wir an einem Mercedes SK-Führerhaus vorbei, von dem wir für 5€ einen gebrauchten Türgriff bekommen, in den sogar unser Schloss passt. Abends kommen wir zeitgleich mit zwei Deutschen an den Quellen an und können sogar noch den Sonnenuntergang beobachten. Ein Wirklich toller Anblick, warum die Quellen nicht in unseren Reiseführern zu finden sind verstehen wir nicht, Hauptsache wir haben her gefunden. Auf dem Weg sind wir auch durch eine sehr schöne Winterlandschaft gefahren, Links und Rechts schneebedeckte Berge.

Danach geht es wieder weiter und wir finden einen Platz 230km von der Grenze entfernt. Hier stehen wir auch einen Tag um alles Grenzbereit zu machen, Blog zu schreiben, Aufzuräumen und Medikamente für Usbekistan zu sortieren.

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Ein Kommentar

  1. Barbara Fabricius-Exner sagt:

    Wie schon auf fast allen Bildern: Daumen hoch ;D

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