Abschied aus Pakistan, Summerrevival im Iran

Wir kommen um 8:45 aus Quetta los, angedacht war zwar 8Uhr, das ist aber noch immer besser als bei unserem letzten Quetta Aufenthalt, bei dem uns das Warten auf die Eskorte einen halben Tag gekostet hatte. Allgemein klappte es in Quetta sehr gut was vor allem daran lag, dass wir wussten was auf uns zukommt.  Es läuft ganz gut und etwa 70km vor Dalbandin, unserer Tagesetappe, legen wir einen Zwischenstopp ein. Der für uns jetzt zuständige Polizist hat mehr Interesse daran, die Isländerin, die er bis hier hin Eskortiert hat, wieder zurück zu nehmen und mit ihr zu Abend zu essen. Uns erzählt er etwas von seinem Chef und wir sollen zurück fahren um am nächsten Morgen um 5Uhr weiter zu fahren. Die Isländerin zeigt kein Interesse und wir bleiben Hartnäckig. Es ist zwar dunkel, als wir ankommen, aber wir erreichen Dalbandin noch. Lukas verhandelt den Preis für das Parken mit unserem vermeintlich letzten Pakistanischen Rupien. Es läuft nach langen Diskussionen auf 600Rs und ein 1€ Stück raus, das ist völlig akzeptabel. Am nächsten Morgen verlangt der Hotelbesitzer nochmal Geld von uns, Geldgierig war er schon bei unserem letzten Besuch hier. Auf dem Weg nach Taftan spricht Farina mit einem Levie (gewährleisten die Sicherheit auf den Straßen) der uns eskortiert auf Urdu. Sie erfährt, dass eine Pistole hier auf dem Schwarzmarkt nur etwa 25€, eine Ak47 nur etwa 80€ kostet. Schießen durften wir trotzdem nicht, einen Versuch war es aber wert. In Taftan treffen wir einen Levie von unserem ersten Besuch hier wieder und quatschen sehr nett mit ihm, er ist allerdings enttäuscht, dass er völlig unvorbereitet auf unsere kleine „Tee-party“ war. Er ist echt knuffig. Wir füllen noch unser Frischwasser auf und verbringen die letzte Nacht in Pakistan.

Am nächsten Morgen geht es direkt an die nur 500m entfernte Grenze. Die Pakistanische Seite war, wie wir bereits erwartet haben, super entspannt und lief auch sehr zügig ab. Die Iranische Seite lief zwar auch ganz gut ab, aber es gab zumindest mal eine obligatorische Fahrzeugdurchsuchung von 2min. Danach hilft und ein Wehrdienstleistender mit unseren Pässen bei der Immigration. Er scheint nicht so begeistert vom Iran und seinen Nachbarn zu sein. Er spricht gutes Englisch und sagt Dinge wie:

-„In Pakistan sind nur Terroristen“

-„Alle Moslems sind Terroristen“

-„Die Iranische Regierung ist kacke“

Und noch ein paar andere Dinge, wir haben uns sehr beherrschen müssen, um nicht laut zu lachen. Als alles fertig war, wurden wir wieder von dem seltsamen Touristenguide „Mr. Hamid“ abgefangen. Er hat uns auch das letzte mal schon die Zeit geklaut. Farina und Ich mussten irgendwelche Dokumente ausfüllen und im Anschluss Pseudowichtige Bilder machen. Das unnötigste war aber, dass Mr. Hamid unsere Eskorte nach Zahedan war (für diese Strecke hat man tatsächlich immer eine Eskorte) und uns zu seinem Chef und Tourismusverantwortlichen der Region geschleppt hat, der kein Wort Englisch konnte. Sie haben uns eine zweiwöchige Reise auf Staatskosten angeboten, die wir aber dankend ablehnen mussten. Wir vermuteten eine Veranstaltung, bei der eine sehr einseitige Darstellung der Regierung und ihrer Taten zu erwarten war. Wir fanden den Ganzen besuch hier etwas seltsam und wollten nur schnell wieder raus, mussten aber noch in das Nahegelegene Museum mit Hamid und konnten ihn erst hinterher abschüttelt. Es gab noch eine Iranische Pizza, die erst mit Ketchup und Majo ganz gut wurde und im Anschluss haben wir Farina an den Busbahnhof gebracht. Sie wollte mit dem Nachtbus nach Bandar Abbas im Süden fahren. Wir hatten ein paar lustige Tage mit ihr und ein bisschen Abwechslung zu unserer Routine. Am nächsten Morgen geht es weiter Richtung Zabol, einer Stadt nahe der Afghanischen Grenze. Wir haben wieder Freude beim Tanken, 550l bei 0.16€/L. Hier fahren auch viele Afghanische LKW rum und uns kommt sogar einer mit Deutscher Kurzzeitnummer entgegen. Auf gut Glück fahren wir an einen See, der sich als traumhaftes Plätzchen entpuppt und wir bleiben zwei Tage hier. Bei unserer Abfahrt schauen wir uns noch Ruinen und Ausgrabungen direkt um die Ecke an. Weit kommen wir nicht an dem Tag, wir genießen es aber, dass wir wieder irgendwo in der Natur stehen können und uns niemand wegscheucht (was im Iran aber durchaus auch passieren kann). Wir fahren in die Wüste Lut, bei unserem letzten Besuch hier hatten wir 48 Grad, dieses Mal sind 20-30 Grad zu erwarten. Wir Parken einige Kilometer neben der Straße neben einem Berg und verbringen den Nächsten Tag mit Frühjahrsputz und Wartungsarbeiten. Innen geht nach fast 6 Monaten Beanspruchung eine Menge Dreck ab. Außen wird mal wieder abgeschmiert, Bremsflüssigkeit gewechselt und Kraftstofffilter gereinigt. Außerdem haben wir eine wichtige Entscheidung getroffen: Uns (Lukas und Mir) gefällt die Iranische Zeit nicht, da es viel zu früh dunkel und auch hell wird, weshalb wir weiterhin in der Pakistanischen Zeit leben wollen, d.h. +4h gegenüber Deutschland anstatt +2,5h. Jonas hat das nicht beschlossen, es lebt in der Zeit, wie es ihm grade am besten passt.

Wir queren die Wüste und kurz vor Ende beschließen wir, noch etwas Offroad zu fahren. Also Luftdruck stark senken, damit wir im Sand mehr Auflagefläche haben und querfeld ein. Wir fahren Zick-Zack um die Hügel und machen mitten im nichts halt für die Nacht. Am nächsten Tag machen wir gute 20km und zwar gradlinig. Wir sind beeindruckt, wo wir überall langkommen und wie problemlos der LKW vieles macht. Mit weniger Luft würden wir sogar noch mehr schaffen, allerdings merkt man hier auch, dass wir „nur“ 170Ps bei 9-10 Tonnen haben. Wir fahren bis zu einem Punkt, von dem aus wir am nächsten Morgen flott wieder auf der Straße sind und gönnen uns noch einen Longdrink aus unserer 5l „Frostschutz“ Flasche. Hier in der Wüste gibt es dahingehen ja keine Gesetze. Die Temperaturen sind super und wie genießen das vorerst letzte Mal Sommer. Am nächsten Morgen geht es aus der Wüste und auf dem Pass nach Kerman haben wir sogar Schnee.

Wir fahren weiter Richtung Kerman und versuchen einen neuen gebrauchten Türgriff zu bekommen, da unserer auf der Beifahrerseite kaputt gegangen ist. In einem Land, in dem bis heute noch Mercedesmodelle aus den 70ern gebaut werden sollte das nicht so schwer sein, denkt man. Niemand spricht auch nur ansatzweise Englisch, alle wollen den Griff aus Gusseisen Schweißen, was mit Guss aber nicht geht. Wir werden sogar zu einem Schlüsseldienst gebracht. In 2 1/2h bekommen wir einen Gebrauchten Griff, der aber nicht passt. Wir geben auf für heute.

Heute sind wir Richtung Yazd gefahren. Auf dem Weg haben wir Stopp bei einer Ölwechselstation für LKW, die hier an den Schnellstraßen weit verbreitet sind, gemacht. Auch hier hat es etwas gedauert, bis wir jemanden gefunden haben, der englisch spricht, haben dann aber einen sehr Günstigen Ölwechsel für Motor und Getriebe bekommen. 53,50€ für 17l Motor und 6l Getriebeöl sind echt unschlagbar! Das Öl wird in große Kessel gefüllt, mit Druckluft beaufschlagt und dann in die LKW gefüllt. In einem dieser Kessel war Altöl und einem Mitarbeiter ist beim Versuch den Kessel zu leeren der Ablasshahn abgerissen. Das Öl ist 3m über den Boden, gegen die Wand, den LKW, den LKW Fahrer und dem Mitarbeiter voll ins Gesicht geschossen. Der Fahrer hat es gelassen gesehen, alle anderen fanden es zum brüllen komisch, selbst der betroffene Mitarbeiter musste lachen. Danach haben wir den Plan, nach Yazd zu fahren, verworfen und sind nach Kharnagh, 60km hinter Yazd, gefahren. Hier ist eine verlassene Lehmsiedlung, teilweise verfallen, teilweise restauriert durch die man in aller Seelenruhe stolpern kann.

Heute ist noch ein wichtiger Tag, wir haben den 13.02.2017. Heute ist also das erste halbe Jahr unserer Reise vorbei und wir freuen uns bereits auf die zweite Hälfte, viele tolle Erfahrungen und neue Bekanntschaften und ein mindestens genauso gutes Händchen für Timing und Reiseplanung und natürlich auch ganz viel Glück, wie wir es bisher auch hatten.

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Ein Kommentar

  1. Katrin Bach sagt:

    Danke für die Fahrt auf dem Karakorum Highway! Ihr seid klasse!Liebe Grüße,Katrin

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