Indien Road Trip Special

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Von unserem Nachtlager im Flussbett sind wir zeitig aufgebrochen um auch früh an der Indischen Grenze zu sein. Der Grenzübergang erwies sich als der unproblematischste bisher, niemand wolle in unser Auto schauen und auch sonst ist sowohl die Aus- als auch die Einreise nach Indien absolut reibungslos abgelaufen. Wir sind dann noch einige Km in Indien gefahren, so ein Grenzübergang, ob reibungslos oder nicht, dauert aber dennoch immer seine Zeit und so haben wir es nicht mehr so weit geschafft. Was wir bereits kurz vor der indischen grenze bemerkt hatten ist in Indien immer schlimmer geworden. Die Luft war diesig und es gab bedeutend mehr Brandrodung der Felder und, dem Geruch nach zu urteilen, Müllfeuer. Das trägt leider weder der Sicht, noch dem Geruch positiv bei. Am nächsten Tag, dem ersten richtigen Fahrtag nach Goa sind wir um 5Uhr los (das haben wir die nächsten Tage auch beibehalten) und haben erst später gefrühstückt. Die Sicht betrug bis etwa halb 10 nie mehr als 50m, was die LKW Fahrer aber nicht davon abhält, in halsbrecherischem Tempo zu fahren. Trotz der schlechten Sichtverhältnisse haben wir 460km geschafft und haben abends auf einem Feldweg halt gemacht. Kaum standen wir, waren zwei Inder da, die uns aber nur klar machen wollten, dass es okay ist, hier zu stehen. Da unsere Druckluftanlage etwas undicht war, hat Jonas sich darum gekümmert und das Führerhaus gekippt um an alle Anschlüsse zu kommen. Beim Ablassen mussten wir feststellen, dass die Gänge 1, 3 und 5 sich nicht mehr schalten ließen. Das Schaltgestänge sah aber nicht verbogen aus! Nach über 2h Ratlosigkeit haben wir das Problem aber doch zumindest vorerst mit einer Stellschraube am Gestänge gelöst und einer Weiterfahrt stand nichts mehr im Wege. Am zweiten Tag haben wir über 500km geschafft. Abends sind wir allerdings immer platt, nach 12-15h am Steuer. Leider hatte unsere Übernachtungstankstelle einen Makel, ein großes Müllfeuer in Sichtweite, der Geruch war furchtbar. Am nächsten Morgen sind wir in einen Stau geraten, da ein LKW bergab auf die Gegenfahrbahn gekommen ist und diese komplett blockiert hat. Im Stau hat ein Bus versucht sich über den unbefestigten streifen neben uns vorbei zu drücken. Wir haben gehupt und Lukas hat ihn nicht vorbei gelassen. Der Bus war uns so nahe, dass eine Bodenwelle auf seiner Seite den Bus gegen uns gedrückt hat und ihm dabei eine Seitenscheibe zerschlagen hat. Bei uns ist glücklicherweise nichts Dramatisches, außer ein paar Kratzern, passiert. Der Busfahrer hat sich kurz aufgeregt, ist aber einfach weiter gefahren. Generell ist der Verkehr in Indien eher eine Zumutung. Das Elend fängt bei völlig unbeleuchteten Fahrzeugen auf der Fahrbahn an, doch damit nicht genug! Auf einer vier-Spurigen Schnellstraße mit großem Mittelstreifen sind uns immer wieder LKW entgegengekommen, nicht, weil auf ihrer Seite Stau war, sondern weil unsere Fahrbahn besser war. Es gipfelte darin, dass uns zwei LKW entgegengekommen sind, weil der eine den anderen überholen musste. LKW Fahren auch immer so schnell sie wollen und auf welcher spur sie wollen. Da wir auf guten Straßen schneller als 50-60 fahren müssen wir dann oft im Slalom um die Hindernisse Fahren. Überholen ist eine andere Sache. Elefantenrennen in Deutschland sind völlig harmlos, hier dauern Überholmanöver manchmal 5-10min, keiner gibt nach und manchmal werden sogar beide einfach langsamer. Es ist zum Verrücktwerden. Das schlimmste sind aber die Busfahrer, die sind zwar überall die wahnsinnigsten Fahrer, hier in Indien nehmen sie aber, wie bereits erwähnt, gar keine Rücksicht auf nichts und so sehen die Busse oft auch aus. Auch Außenspiegel sind oft Mangelwaren und entweder nicht vorhanden oder nur so groß wie Handspiegel. Blinker werden nicht benutzt und existieren oftmals auch nicht, Fahrspur Wechsel werden, wenn überhaupt, mit einer winkenden Hand aus dem Fenster angekündigt. Fährt ein LKW Rechts auf einer zweispurigen Straße und will nach links abbiegen (In Indien herrscht Linksverkehr) bremst er erst bis zum stillstand ab, winkt ein bisschen und blockiert dann beide Spuren. Die teilweise völlige Abwesenheit jeglicher Beleuchtung am Heck wird durch Scheinwerfer vorne überkompensiert. Diese sind meistens so eingestellt, dass sie selbst uns ins Gesicht leuchten, das Fernlicht ist IMMER an und wenn wir dann mit Fernlicht und Zusatz Scheinwerfern fahren, sodass die auch nichts sehen, geben sie uns Lichthupe. Wenn wir daraufhin unsere Festbeleuchtung ausschalten, schalten die ihr Fernlicht wieder ein. Man könnte meinen, dass all diese LKW fahrer auf den Kopf gefallen sind. Hier mal ein kleiner Auszug dessen, was wir bereits auf den Straßen Indiens angetroffen haben: PKW (Beleuchtet), LKW (Teilweise Beleuchtet),Affen, Pferde, Kühe, Elefantengespanne, Kamelgespanne, Kuhgespanne, Roller, Rikschas, Tucktucks, Trecker (natürlich unbeleuchet!), tote Kühe auf dem Highway (unbeleuchtet), Hunde und natürlich auch Menschen, die selbst bei völliger Dunkelheit über die Straße rennen.

Ein anderes Schauspiel, welches früh morgens zu beobachten ist, sind Inder, die in der Morgendämmerung ihr Geschäft am Straßenrand verrichten. Ein sehr gewöhnungsbedürftiger Anblick für uns alle.

Nach vier Fahrtagen kommen wir abends in Agonda, an unserem Stellplatz für die nächsten 4 Wochen an und wir sind über glücklich, endlich Urlaub machen zu können.

 

Road Trip Special II

Der Tag der Abfahrt ist gekommen, der erste Weihnachtsfeiertag. Irgendwie haben wir uns das ja anders vorgestellt, aber wir haben keine Lust, das Iran Visum in Islamabad zu beantragen und, da die Referenznummer am 3.01.2017 verfällt, machen wir uns auf. Es geht human um 7:30Uhr los und nach etwa 3h treffen wir Raj nochmal und machen eine frühe Mittagspause. Der Betriebsstundenzähler den wir bei Abfahrt genullt haben, zeigt 440h. Am ersten Tag fahren wir noch über eine kleine Straße Richtung Mumbai. Am nächsten Tag geht es durch Mumbai. Ein verkehrspolizist hat uns angehalten und wollte einen Führerschein sehen, während ein Kollege den Verkehr geregelt hat. Er will die Tür öffnen, was Jonas mit einen „NO!“ quittiert und die Tür wieder zu zieht. Er kramt ein bisschen nach einem Führerschein und zeigt ihn aus der Entfernung. Dann Winkt der andere Polizist unsere Fahrspur weiter und wir fahren auch einfach. Der eine Polizist ruft uns noch hinterher, was aber sonst niemanden zu stören scheint, am wenigsten uns. Von da an sind wir fast bis Delhi auf einem sehr gut ausgebauten Highway mit je 3 Spuren unterwegs. Hier geht es sehr gut voran und auch der Verkehr hält sich in Grenzen. Das einzige was ein Hindernis darstellt sind die Mautstationen. Wo wir auf dem Hinweg nichts zahlen mussten wegen der Indischen Geldpolitik, werden wir jetzt immer als BUS/TRUCK eingestuft, was für gute 2000km doch recht teuer ist. Anfangs erzählen wir, dass wir ein Diplomatenfahrzeug aus Karnataka sind, da dort auch KA wie für Karlsruhe auf dem Nummernschild steht und wir ja das „D“ für Diplomat auf der Nummer haben. Das Klappt auch gut und wir müssen nichts zahlen. Auch zu sagen, dass wir Touristen sind hat uns oft kostenlos über Mautabschnitte gebracht, je weiter wir in den Norden gefahren sind, desto länger haben die Diskussionen an den Mautstellen gedauert, da uns immer gesagt wird, „Ihr habt große Reifen, ihr seid ein Truck!“. Das ist inakzeptabel für uns und beständiges beharren auf unser Recht hat uns immer geholfen nur als „LCV“, als Light Commercial Vehicle, durch zu fahren. Auch wenn wir nicht kommerziell sind, aber besser als nichts. Manchmal haben sich dann bis zu 10 Angestellte um uns versammelt und beim Diskutieren zugeschaut, Willkommen in Indien!

Den Rückweg nach Delhi haben wir auch in 4Tagen geschafft und der Betriebsstundenzähler hat in Delhi stramme 483h Gezählt, also hatten wir in den vier Fahrtagen 43h mit laufendem Motor

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